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Barcelona Januar 2006

Vom 10. bis 23. Januar in Barcelona. Wie die letzten Male auch Flug mit Ryanair für diesmal ca. 42€ pro Person. Anders als sonst hatten wir für die Zeit eine Wohnung gemietet. Sie liegt in Hostalfrancs in der Nähe des Plaza Espana in der Calle La Bordeta im letzten Stock (Sobreatico) eines achtstöckigen Hauses. Von dem umlaufenden Balkon hat man einen Blick auf den Montjuic auf der einen und den Tibidabo auf der anderen Seite. Im Januar sassen wir bei Sonne auf dem Balkon und genossen die Aussicht auf das Häusermeer unter und neben uns.

Der Balkon Blick vom Balkon auf den Montjuic Die umliegenden Gebäude Seitenstrasse

Verkehrstechnisch kann man die Wohnung mit zwei Metro-Linien erreichen. Einmal die L3, die vom Plaza Espanya hin zu Sants und in die andere Richtung die Parallel hinunter, dann die Ramblas und den Paseo de Gracia hoch nach Gracia fährt (also praktisch die ganze Innenstadt abdeckt). Zum anderen die L1 mit der man bequem vom und zum Busbahnhof am Arc de Triomphe gelangt. In der Gran Via fährt der Bus Nr. 9 direkt zum Plaza Catalunya, in der Calle La Cruz Cubierta der 57 oder 157 bis zum Strand von Barcelona. Die Cruz hoch und dann rechts gelangt man auch in wenigen Minuten zum Bahnhof Sants und die Bordeta selbst führt direkt auf den Plaza Espanya.

Dienstag 10. Januar La Bordeta und Verdi

Nach der Ankunft haben wir uns erst einmal ein wenig orientiert. In der Nähe der Wohnung liegt eine grosse Markthalle. Einfach fantastisch, was man alles dort kaufen kann. Allerdings muss man schon Zeit mitbringen, ganz so schnell geht's dort nicht, da spielen sich Käufer und Verkäufer kongenial in die Hände. Zeitungen gibt's in der Bordeta, eine Ecke weiter oder in der Cruz. Internet-Cafe im Haus nebenan.

Die Wohnung selbst ist gut ausgestattet und bietet alles, was man so braucht, inklusive Waschmaschine. Heizung gibt's wie üblich in Barcelona keine, warme Socken und Bettflasche könnten ein guter Tip sein. Der vorhandene Heizlüfter reicht für den normalen Winter wohl aus, aber kuschelig wird's damit nicht. Handtücher und Bettwäsche vorhanden, Föhn sollte mitgebracht werden. Telefon und Fernseher Fehlanzeige.

Match Point im Verdi

Abends sind wir zu Fuss nach Gracia ins Kino Verdi gelaufen. Sieht auf dem Stadtplan ziemlich weit aus, ist aber über den Sants, dann zum Plaza Francesc Macia und schliesslich die Travessera Gracia gut zu erreichen. An der Gran de Gracia muss man in diese links einbiegen und an der Metro Fontana in die Calle de Asturias. Von dieser geht die Calle Verdi ab, in der das Kino liegt. Gesehen haben wir Match Point von Woody Allen in OmU. Der soziale Aufsteiger ehemals Tennislehrer und in eine reiche Familie eingeheiratet, verliebt sich gegen seinen Plan in die Freundin seines Schwagers. Zunächst kann er alles austarieren, aber irgendwann wird er vor die Wahl gestellt, reich und unglücklich oder arm und unglücklich. Keine Frage, wofür er sich entscheidet. Ein netter Film mit guten Darstellern (Scarlett Johansson von Lost in Translation, den wir in Pamplona gesehen haben, als erfolglose Schauspielerin und abservierte Freundin), der zeigt, dass sich Verbrechen doch lohnen. Entfernt erinnert er an Der Kuss vor dem Tode.

Gracia

Gracia selbst ist ein Stadtteil mit sehr gemischter Bevölkerung und einem hohen Szeneanteil. Während er tagsüber eher etwas langweilig wirkt, erwacht er abends zum Leben. Überall gibt es Kneipen und Cafes, Tanzbars und Diskotheken. Wie die Bevölkerung ist auch die Bebauung. Luxushäuser reihen sich an abbruchreife Kaschemmen, immer wieder durchbrochen von den vielen Plätzen wie dem Plaza del Diamant, dem Mercé Rodoreda mit ihrem Roman ein Denkmal gesetzt hat. Gracia war schon immer ein sehr bewegter Stadtteil und während der Tragica Semana von 1909 war hier das Zentrum des Widerstands. Überhaupt wurden immer wieder zu allen passenden Anlässen Barrikaden gebaut. In friedlicher Weise setzt sich das im jährlichen Stadtteilfest Mitte August fort, bei dem die einzelnen Strassenzüge von ihren Bewohnern mit riesigen Pappmachefiguren geschmückt werden und im gegenseitigen Wettstreit stehen.

Donnerstag 12. Januar Strand und La vida secreta

Mit dem Bus Nr. 157 von der Calle Cruz Cubierto bis zur Endstation in der Nähe der Zwillingstürme. Herrliches Wetter. Langer Spaziergang am Meer.

Strandbesucherin Lesen am Strand Abend am Meer Abend am Meer

La vida secreta de las palabras im Verdi

Abends wieder im Verdi in La vida secreta de las palabras (OmU).  Der Film der Regisseurin Isabel Coixet hat gerade eben den Premio Sant Jordi de Cinematografia für den besten spanischen Film gewonnen. Eine Krankenschwester, die nun in einer Fabrik arbeitet, nimmt während ihres Urlaubs einen Job auf einer Bohrinsel an. Dort pflegt sie Tim Robbins, der bei einem Unfall Verbrennungen erlitten hat. Die beiden kommen sich näher und man erfährt die Vorgeschichte der Krankenschwester. Was als Psychothriller begonnen hat endet als Antikriegsfilm, ohne dass jemals ein Schuss gefallen wäre. Überaus sehenswert.

Freitag 13. Januar Born

Erneut Spaziergang am Strand und anschliessend ein Streifzug durch El Born.

El Born

El Born (früher La Ribera) ist ein Teil des Barrio Casc Antic (das wiederum zum distrito Ciutat Vella gehört) und wird von der Via Laietana und der Calle de la Princesa auf der einen und der Avenida Isabel II und dem Parque de la Ciutadella auf der anderen Seite begrenzt. Wenn man von der Isabel II in die Calle del Rec einbiegt erhält man einen Eindruck, wie sich dieser Stadtteil in den letzten Jahren entwickelt hat. Total aufgebrezelt, viele interessante Läden (vornehmlich Mode) und Kneipen. Die Mieten und Wohnungspreise sind geradezu explodiert schreibt die El Pais. Eine Wohnung mit 60 qm in der Calle de Commerc etwa wird mit 337.000 Euro beziffert.

Textilmuseum in Born Einer der vielen Modeshops Gasse in Born Kneipe in Born Laden in Born

Samstag 14. Januar Was tun, wenn der Pass weg ist?

In den nun  über 20 Jahren, die wir Spanien bereisen, sind wir zweimal unter die Räder gekommen. 1985 wurde uns in Madrid das Auto aufgebrochen und alles bis auf ein paar schmutzige Hemden gestohlen. War eine interessante Erfahrung im nachhinein besehen, mit wie wenig man einen Urlaub bestreiten kann. Zehre noch heute davon. Diesmal ein Taschendiebstahl, der nach dem klassischen Muster abläuft. Einer blockiert die Rolltreppe der Metro, ich konzentrier mich in dem sofort entstehenden Gemenge darauf, dass Ulrikes Handtasche nicht abhanden kommt und merke ca. 2 Sekunden später, dass ich besser auf mein Portemonnaie aufgepasst hätte, das ich in der Innentasche meiner Jeans hatte. Wichtig zuerst natürlich die Karten sperren, da ist es günstig, wenn man die entsprechenden Telefonnummern dafür parat hat. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass die Kollegen es auf Bares abgesehen haben, Karten und Ausweise werfen sie meistens weg.

Anlaufstelle für die obligatorische Anzeige ist das Polizeirevier in der Nou de la Rambla (am besten mit der Metro zur Parallel und dann in die Nou de la Rambla). Zeit spielt dafür keine Rolle, weil das eh ein rein formaler Akt ist. Abends oder nachts kann man mit einigen Stunden Wartezeit rechnen, bis die Anzeige aufgenommen wird. Aber Anzeige ist wichtig, wenn man Ersatzdokumente benötigt, weil man zum Beispiel mit Ryanair fliegt (bei anderen Fluggesellschaften reicht die Anzeige, um mitgenommen zu werden).

Diese beantragt man beim Deutschen Konsulat in der Paseo de Gracia 111, Ecke Diagonal im Edificio Europa. Mitbringen sollte man 2 Passbilder (zu erwerben in der Nähe in einem Fotoladen), 21 Euro und falls man sich nicht ausweisen kann, jemanden, der bezeugen kann, dass man der ist, der man behauptet zu sein. Reist man allein und hat keinen Bekannten in Barcelona, wird's eher schwierig. Günstig in einem solchen Fall eine Fotokopie des Passes oder Ausweises.

Alles sind freundlich und eigentlich hat man nur den Zeitverlust und einen etwas erhöhten Wegezoll. Urlaub nicht verderben lassen und nicht denken, dass ganz Barcelona aus Dieben und Wegelagerern besteht.

Sonntag 15. Januar Se siente, se siente Michelle presidente

Heute sind Wahlen in Chile und am Montag wird man in den Zeitungen lesen, dass Michelle Bartelet den zweiten Wahlgang mit 53% gegen 46% ihres Kontrahenten Sebastian Pinera von der Alianza por Chile (Rechte und Pinochetistas) gewonnen hat. Michelle Bartelet selbst ist Sozialistin, ihre Wahl wird von den Linken bis zu den Christdemokraten unterstützt. Eine Art grosse Koalition gewissermassen. Geschieden, mit drei Kindern und Verfolgte des Pinochet Regimes ist sie die erste weibliche Präsidentin nicht nur Chiles, sondern ganz Lateinamerikas.

Während der Diktatur wurde ihr Vater, der General Alberto Bartelet wegen seiner Treue zur Regierung Salvador Allendes gefoltert und getötet. Ihre Mutter und sie selbst wurden inhaftiert und mussten anschliessend ins Exil. Obwohl es nicht die erste sozialistische Regierung ist, knüpft man ganz besondere Erwartungen an ihre Regierungszeit.

Ihre Anhänger in Chile feiern ihren Sieg ebenso wie viele Intellektuelle und Künstler in Spanien und Europa, die ihren Wahlkampf mit Manifestationen unterstützt hatten. Die El Pais berichtet am Montag auf den ersten vier Seiten über das Ereignis, was wohl in der deutschen Presse darüber steht?

Montag 16. Januar Vilanova und Sitges

Ausflug in die Umgegend. Natürlich fahren wir wie alle nach Sitges. Aber auch nach Vilanova, das eine Station weiter entfernt liegt und nicht das Glück hatte, mit solchen Stränden gesegnet zu sein wie Sitges. Deswegen musste man sich auf Hafen, Industrie und Handwerk konzentrieren, kann sich aber damit immerhin ein Theater, ein Museum und nette Häuser im Zentrum leisten. Wenn's nicht regnet wie bei unserem Besuch, sieht die Stadt sicher noch freundlicher aus.

Hafenansicht Gebäude in der Fussgängerzone von Vilanova Theater Museum

Über Sitges muss man nicht viel Worte verlieren, weil es in jedem Reiseführer ausführlich beschrieben ist. Stimmt alles, deswegen können sich die Immobilienpreise auch mit denen in Borne messen. Wahrscheinlich hat Sitges mehr Immobilien Agenturen als Kneipen. Und von denen gibt es reichlich.

Eigentlich nur ein Hotel

Gefahren sind wir vom Sants, Fahrtzeit etwa 40 Minuten, Nahverkehrszüge gehen praktisch immer. Ida y Vuelta ca. 5 € pro Person.

Dienstag, 17. Januar Museo de Historia de Catalunya

Gegenwärtig verhandeln die Katalanen mit der Zentralregierung über eine Neufassung des Estatuto de Cataluna. Neben vielen Fragen der Erweiterung der Rechte der Katalanen gibt es eine lange Debatte über den Begriff der Nation in diesem Dokument. Schliesslich einigt man sich auf einen Kompromiss, Katalonien wird in der Präambel als Nation bezeichnet, aber im Text wird der Begriff nicht mehr erwähnt. Dies nehmen wir zum Anlass für einen ausgedehnten Besuch im Museo de Historia de Catalunya. Dort erfährt man auf zwei Stockwerken die Sicht der Katalanen auf ihre Geschichte. Jedes mal wenn wir dort waren, haben wir ein Stück dazu gelernt. Diesmal die grossen Linien der Entwicklung. Das Museum liegt am Hafen und hat neben der Ausstellung auch ein tolles Cafe mit Terrasse, die auch einen Besuch wert ist, wenn man sich für die katalanische Geschichte nur am Rande interessiert.

Wenn ich's richtig sehe, hat sich Katalonien etwa ab dem 9. Jahrhundert eigenständig entwickelt (Abspaltung von der Spanischen Mark unter Borell II. 985), weil einerseits das Karolingische Reich im Norden, zu dem die Gegend, die heute Katalonien heisst, eine Zeitlang gehörte, nach dem Tode Karls des Grossen zielstrebig zerbröckelte und andererseits, das Kalifat von Cordoba nicht die Kraft hatte, in dieses Vakuum hineinzustossen. Danach die strategische Ausrichtung auf das Mittelmeer, zu diesem Zeitpunkt der Mittelpunkt der Welt und die Verbindung mit Aragon zur Absicherung. So wuchs Katalonien bis ins 15. Jahrhundert (gemeinsam mit Aragon, durch die Heirat Berenguers IV. mit der Erbin der Krone Aragons) zu einer Weltmacht, zu dem in der Hochzeit, die Balearen, Sardinien und ganz Unteritalien und Sizilien gehörten, bis sich die Achsen durch die Entdeckung Amerikas verschoben und das Mittelmeer an den Rand rutschte. Dazu kam die Reconquista, die Aragon und vor allem Kastilien nach vorne brachte und plötzlich war für Katalonien kein Platz mehr auf der Karte.

La joya de la familia (The Family Stone) im Yelmo Icaria

Im Icaria laufen immer eine Menge Filme in OmU, so auch La joya de la familia. Die Stones sind eine ganz normale liberale amerikanische Familie, der jüngste Sohn ist schwul, die Tochter ein Biest und der älteste Sohn bringt die falsche Frau mit zum Weihnachtsfest. Als er noch ankündigt, dass er sie heiraten will, verbündet sich die gesamte Familie gegen Sarah Jessica Parker und will sie hinwegmobben. Diese tritt auch noch in jedes Fettnäpfchen, das irgendwo sichtbar wird, so dass die Katastrophe unausweichlich scheint. Die zur Hilfe gerufene Schwester dagegen kommt bei der Familie total gut an und ihr passt auch der Hochzeitsring, der seit Generationen bei den Stones weitergegeben wird besser. Am Schluss heiratet die eine Schwester den einen Sohn und die andere den anderen während die Schwester der Söhne sich mit ihrem Freund versöhnt und der der schwule Sohn ein schwarzes Kind adoptiert. Nur die Mutter stirbt an einer natürlich unheilbaren Krankheit. Klingt aber alles schlimmer als es wirklich ist, weil die Schauspieler (Diane Keaton als Mutter) gut agieren. Kann man sich ansehen.

Das Icaria ist in der gleichnamigen Strasse im ehemaligen Olympiadorf. Von den beiden Zwillingstürmen am Strand ausgehend in Richtung Stadt laufen und dann rechts in die Icaria, liegt das Kino in einem Einkaufszentrum. Oder vom Strand aus am Pizza Hut links und dann von hinten ins Einkaufszentrum.

Mittwoch, 18. Januar Museo de Historia de Catalunya

Die folgende Zeit verbrachte Katalonien am Rand des Imperiums, wirtschaftlich erfolgreich, aber politisch nicht mehr bedeutend. Einerseits Druck auf die einstige Mittelmeermacht durch das Ottomanische Reich, die ebenfalls in das Mittelmeer eindrang, auf der anderen Seite weiter die Lage zwischen den rivalisierenden Blöcken Frankreich und Spanien, die Katalonien für sich auszunutzen versichte, die es aber auch immer wieder in Schwierigkeiten brachte.

Erster Versuch, auszubrechen im Guerra de los Segadores 1640 - 1659. Ein Aufstand der Schnitter in der Stadt weitet sich zu einem Befreiungskrieg aus. Katalonien sagt sich von Spanien los und sucht die Hilfe Frankreichs, die zunächst gewährt wird. Im Verlauf des Krieges, der als ein Ausfluss des Dreissigjährigen Krieges betrachtet werden kann, einigen sich Spanien und Frankreich. Frankreich bekommt das Roussillon und die Cerdagne zugesprochen. Katalonien weigert sich, dies anzuerkennen, das ganze endet in einer Niederlage, gegen die Katalonien immer wieder aufbegehrt. 1700 wird schliesslich sogar der Gebrauch der katalanischen Sprache verboten. Übrig bleibt die katalanische Hymne, die aus diesem Krieg stammt.

Denkmal für die Opfer des 11. September 1714 in Born

Zweiter Versuch im Spanischen Erbfolgekrieg 1701 - 1714. Carlos II. hinterlässt keine Erben, aber ein politisches Testament. Um den Thron kämpfen Bourbonen und die Habsburger. Die Katalanen setzen auf die Habsburger und damit auf das falsche Pferd. Am 11. September 1714 die entscheidende Schlacht um Barcelona, die mit einer grandiosen Niederlage endet, von der die Katalanen noch heute Teile ihrer Identität beziehen. Die Diara ist katalanischer Nationalfeiertag. Barcelona wird besetzt, die Franzosen bauen in der Folge die Ciutadella, die gemeinsam mit dem Montjiuic die gesamte Stadt mit Kanonenfeuer bestreichen kann. Die katalanischen Institutionen werden aufgelöst, Katalonien als Staat hat aufgehört zu existieren. Soweit die Kurzfassung. Im Museum ist es ausführlicher und die Kuratoren würden an meiner Interpretation auch einiges auszusetzen haben, schätze ich. Interessante Quelle ist auch das spanische Wikipedia.

Freitag, 20 Januar Montjuic und Miro Museum

Zwei Tage den Montjuic erschlossen, zu Fuss nicht nur ein Vergnügen, weil hauptsächlich von Strassen durchzogen, wer auf Wegen wandern will, sollte sich andere Gelegenheiten suchen.

Von der Plaza Espana aus wird der Montjuic durch das Palacio Nacional dominiert, das heute das Museo de Arte Nacional de Catalunya (MNAC)  beherbergt. Über unzählige Treppen gelangt man an den Ausstellungshallen der Weltausstellung von 1929 vorbei hinauf zum Palacio. Dabei lässt man den Pavillon von Mies van der Rohe rechts liegen, der ebenfalls von der Weltausstellung stammt. Überhaupt wurde ein Grossteil der heutigen Struktur des Montjuic in dieser Zeit gestaltet.

Blick auf das Schloss (MNAC) Blick vom Schloss auf die Plaza Espana Rückansicht des Olympiastadions Olympiagelände Communication Tower

Am Palacio angelangt, wendet man sich nach rechts den Berg hinauf und gelangt zum Olympiagelände. Dort sollten, nachdem die Bewerbung um die Olympiade 1936 gescheitert war, ursprünglich die Arbeiterfestspiele 1936 stattfinden, aber wegen des Franco-Putsches zogen die Sportler statt ins Stadion an die Front. Ende der achtziger Jahre schliesslich wurde das Gelände für die Olympiade 1992 fast vollständig umgestaltet. Von weitem schon sieht man den Montjuic Communication Tower von Santiago Calatrava, der der breiteren Öffentlichkeit durch den Umbau des Olympiastadion in Athen 2004 bekannt geworden ist.

Castillo Montjuic

Wenn man um das Stadion Lluis Companys herumläuft und sich dann nach links wendet, gelangt man nach etwa 30 Minuten Fussweg zum Castello. Zu diesem kommt man auch über eine Funicular, die an der Parallel in der Höhe der Metrostation startet. Das Castillo war ursprünglich ein Leuchtturm für die Schiffahrt, der im Verlaufe des Guerra de los Segadores zu einer Verteidigungsburg ausgebaut wurde. Nach der Niederlage diente es zur  Kontrolle der Stadt und wurde im Spanischen Erbfolgekrieg von den siegreichen Franzosen von Grund auf neu errichtet, ohne jedoch seine Bestimmung  zu ändern. Heute beherbergt es ein Militärmuseum und bietet einen grandiosen Ausblick auf Stadt und Hafen.

Castello Blick vom Castello auf die Stadt Blick vom Castello auf den Hafen Friedhof auf dem Montjuic

Wenn man sich von der Rückseite des Stadion aus nach rechts orientiert kommt man dem terassenförmig angelegten Friedhof von Montjuic, auf dem irgendwo auch Durutti begraben liegt.

Fundacion Miró

Das Miró Museum ist allein schon architektonisch einen Besuch wert. Natürlich steht Miró und sein Lebenswerk im Mittelpunkt, aber es sind auch immer wieder interessante Ausstellungen zu sehen. Diesmal waren wir in Maestros del collage. De Picasso a Rauschenberg. Angefangen von Picasso und Braque, die die Collagetechnik quasi erfanden, zieht sich eine beeindruckende Reihe von Werken über die russischen Avantgardisten (natürlich Lissitzky und auch Moholy-Nagy) über Tapiés und Miró bis hin zu den Amerikanern Pollock und Rauschenberg.

Miró Museum Eingangshalle Einer der Museumsshops

Samstag, 21. Januar

Beim Frühstück lesen wir in der El Pais, dass Spanien 2007 die Einkommensteuern (IRPF) senken wird. Statt 5 gibt es nur noch 4 Steuersätze, der Spitzensteuersatz ist zukünftig 43%. Insgesamt soll die Reform vor allem die unteren Einkommen entlasten, aber insgesamt werden praktisch alle weniger zahlen. Die etwa 2 Milliarden Einkommensverlust will die Regierung durch eine Erhöhung der Tabaksteuer teilweise wieder auffangen. Passt gut zu der Tatsache, dass ab Januar Rauchen in öffentlichen Gebäuden, Kneipen und Restaurants verboten ist. Ist allerdings noch nicht überall sichtbar. Auch die Unternehmenssteuern werden in den nächsten fünf Jahren um jeweils um einen Punkt auf 30% gesenkt, insgesamt weitere 2 Milliarden Euro.

Wir gehen ins CCCB in die Ausstellung Literatura del exilio, über die ich an anderer Stelle schon berichtet habe.

La Parra

La Parra ist fast um die Ecke unserer Wohnung und wir gehen zum Abschied noch mal zum Abendessen hin, weil es uns bei den vorigen Besuchen ausnehmend gut gefallen hat. Das La Parra wird soweit wir es gesehen haben von vielen Einheimischen besucht, die vor allem die riesigen Steaks auf Holzbrettern verzehren. Die kleine Speisekarte bietet aber auch Fischgerichte und ist insgesamt muy catalan, soweit wir es beurteilen können, ebenso wie die Einrichtung. Alles eher urig, aber ausgezeichnet. Diesmal Pan con tomate und alcachofas als Vorspeise, dann gratinerter bacalao und rape in Crepe eingewickelt. Getrunken haben wir einen Vino Tinto Reserva 2000 aus dem Priorat vom Weingut Rotllan Torra, für 18 € die Flasche ein klasse Wein. Alles in allem etwa 50 €, da kann man sich wirklich nicht beklagen.

Montag, 23 Januar

Rückflug nach Deutschland, das gerade von einem Kälteeinbruch heimgesucht wird. Bei Ankunft in Mannheim -6 Grad.