Sumaro Net

Valencia Dezember 2006

21. Dezember bis 6. Januar in Valencia. Valencia wird seit Oktober durch Ryanair von Hahn aus angeflogen, Dauer etwa 2, 5 Stunden. Wir fliegen nachmittags, für 115.- € pro Person. Der Flughafen Valencia liegt ziemlich stadtnah, zwei Buslinien gehen in die Stadt. Die Linie 150 (gelber Bus) startet auf der zweiten Ebene des Flughafens und endet an der Estacíon de Autobuses, Preis 1.- €. Allerdings quält sich der Bus ziemlich durch den Feierabendverkehr und ist ein ganz normaler Linienbus, also entsprechend voll. Man kann gut mit einer Stunde Fahrtzeit rechnen.

Terrasse des Hotels Blick%20von%20der%20Hotelterrasse%20auf%20den%20Turia%20Park%20und%20die%20Altstadt

Unser Hotel: Wir haben im NH Center gewohnt, das direkt neben der Estacíon liegt. Preis für das Doppelzimmer an Weihnachten 62.- €, aber der Komfort (vier Sterne) ist höher. Schwimmbad, Sauna, Fahrräder, alles im Preis inbegriffen. Internetanschluss über ein Wi-Fi von Swisscom in den Zimmern allerdings zu prohibitiven Preisen. Absolut nicht zeitgemäß und eigentlich ein Kriterium, die NH-Kette zu meiden. Auch das Gimnasio eher bescheiden, es fehlt ein Laufband und alles ist insgesamt sehr gedrängt. Ungeheuer praktisch, in den Zimmersafe passen zwei Laptops. Auch gut zu wissen, man braucht eigentlich nichts an Hygiene-Utensilien mitzunehmen, alles ist vorhanden, inclusive Zahnbürste und Rasierapparat.

Das Wetter: Spanien wird mal wieder von einer Kältewelle heimgesucht, entsprechend ist das Wetter in den ersten Tagen (eher an die 10 als an die 20 Grad). Wenn die Sonne herauskommt, kann man dennoch auf der Hotelterrasse oder im Strassencafé sitzen. Danach schöne sonnige Tage, um die 20 Grad.

Valencia ist mit etwa 800.000 Einwohnern die drittgrösste Stadt Spaniens und spielte vor allem im 15. Jahrhundert im Mittelmeerraum eine bedeutende Rolle. Aus Valencia stammt auch der Renaissance Papst Alexander VI. aus der Familie der Borgias. Heute ist es das pulsierende Zentrum der Comunidad Valenciana, einer der 17 Autonomen Regionen Spaniens.

Freitag, 22. Dezember Erste Erkundung der Altstadt

Valencia hat eine relativ große Altstadt, die auf der einen Seite vom ehemaligen Flussbett des Turia umschlossen ist. Die übrigen Seiten werden durch Ringstrassen begrenzt. Der erste Eindruck: die Altstadt ist nicht herausgeputzt, kein Ort für Touristen, sondern ein lebendiger Teil des heutigen Valencia. Gleichwohl gibt es jede Menge historische Bauten zu besichtigen und zu bewundern, aber das findet inmitten des alltäglichen Lebens und des immensen Verkehrs statt.

Mittendrin, die Kathedrale umgeben vom Plaza de la Virgen und Plaza de la Reina, der Mercado Central, eine riesige Markthalle im Jugendstil, und der Plaza Ayuntamiento.

Darum herum, ein Gewirr von Gassen, überall Kneipen, Discos und Restaurants, alles sehr jung und noch nicht durchrenoviert.

Essen in der Altstadt

Wie überall in Spanien wird Mittags für deutsche Verhältnisse spät gegessen. Vor zwei Uhr ist man definitiv zu früh dran und die Mittagspause kann auch schon mal bis fünf Uhr dauern. In dieser Zeit bieten viele Lokale ein Menu de Mediodia und zwar nur das. Ein dreigängiges Menu, das pro Gang zwei bis drei Gerichte bietet, Preise zwischen 9.- und 18.- Euro. Tapabars dagegen sind uns kaum begegnet, weswegen wir unser Essverhalten auf die Verhältnisse eingestellt haben. Oft Suppen als erster Gang, dann Reisgerichte, Fisch, der Nachtisch oft etwas Spezielles. Die Qualität ist natürlich unterschiedlich je nach Restaurant, aber wir haben uns nie vergriffen und manches Mal sehr gut gegessen.

Abends muss man vor 10 Uhr eigentlich überhaupt nicht antreten, und vor neun hat sowieso nichts Vernünftiges auf. Wer Reis gerne isst, ist in der Stadt, aus der die Paella Valenciana kommt natürlich gut aufgehoben, aber auch da Meer bietet reichlich Auswahl. Die Restaurants mit modernem Interieur in den alten Gebäuden bieten einen guten Rahmen für einen gepflegten Abend bei doch zivilen Preisen. Eigentlich kann man sagen, dass wir über den Urlaub hinweg noch nirgends so gut gegessen haben wie in Valencia..

Samstag, 23. Dezember Scoop im UGC Cine Cité

Letztes Jahr haben wir Match Point in Barcelona gesehen, dieses Jahr der neue Woody Allen, Scoop in OMU. Wieder mit Scarlett Johannson, diesmal als Amateurreporterin, der ein Knüller zugespielt wird, den sie zusammen mit Woody Allen als verfolgt. Ein reicher Adliger soll der lang gesuchte Serienkiller sein. Der Plot bietet reichlich Platz für Situationskomik, der von Woody Allen auch ausgenutzt wird, aber insgesamt hat er bessere Filme gedreht. Das UGC liegt im Einkaufszentrum Espai, vom Hotel aus gesehen rechts, am Busbahnhof und dem Corte Ingles vorbei in der gleichen Strasse.

Sonntag 24. Dezember Mit dem Fahrrad an der Strand

Im Hotel kann man unentgeltlich Mountainbikes leihen, die auch ganz passabel sind. Das nutzen wir, um einen Ausflug zum nahen Strand zu unternehmen. Zunächst den Turia-Park entlang bis zur Ciudad de las Artes y de las Ciencias, ab da immer halblinks halten, ist man in etwa einer halbe Stunde am Strand.

Den Strand entlang zieht sich eine ewig lange Promenade, an der im Sommer sicher jede Menge los ist. Viele Restaurants direkt am Strand und ebenso viele Baustellen. Jetzt im Dezember ist es eher ruhig.

America's Cup 2007

Vor dem Strand der Yachthafen, in dem im Frühjahr 2007 der America's Cup ausgetragen wird. Titelverteidiger ist die unter Schweizer Flagge laufende Alinghi, Valencia wurde als Austragungsort gewählt, weil die Schweiz keinen passenden Hafen zur Verfügung stellen konnte. Mit dabei auch ein südafrikanisches Boot, die Shosholosa.

Der Turia Park

Der Park ist ein ehemaliges Flussbett, das sich etwa 10 km durch die Stadt zieht und zum Teil die Altstadt umschliesst. 1957 nach einer verheerenden Überschwemmung entschloss man sich, den Fluss schlicht aus der Stadt heraus zu verlegen. Das Flussbett sollte zuerst eine Stadtautobahn werden, aber nach Bürgerprotesten entschloss man sich, daraus einen Park zu gestalten. So hat Valencia heute mitten in der Stadt einen durchgehenden Park von einer Größe, wie ich ihn sonst noch nirgends gesehen habe. Neben Fuß- und Radwegen gibt es jede Menge Sportplätze, Kunst- und Kulturgebäude wie der Palacio de la Musica oder die Ciudad de las Artes y de las Ciencias befinden sich in ihm. Ein absolutes Highlight.

Fahrradfahren in Valencia

Mehr als jede andere spanische Stadt, die ich kenne, ist Valencia zum Fahrradfahren geeignet. Das liegt natürlich am Turia Park, aber auch sonst gibt es sehr viele ausgewiesene Radwege. Insgesamt spricht der Reiseführer von einem Radwegenetz von etwa 70 km.

Montag 25. Dezember Mit dem Fahrrad in den Naturpark Albufera

Etwa 20 km von Valencia entfernt liegt der Naturpark Albufera. Die Fahrt mit dem Bike dorthin ist umständlich, weil wir uns nicht auskennen und kein Karte haben. Erst mal den Turia entlang bis zur Ciudad de las Artes, dann irgendwie halbrechts, über eine Bahnlinie und zwei gesperrte Brücken. Dann noch durch Pinedo hindurch und man ist in El Saler. Von El Saler aus die Strasse nach El Palmar liegt der Naturpark rechter Hand. Ein grosser Süsswassersee, obwohl mit dem nahen Meer verbunden, bietet Raum für viele geschützte Tierarten, die hier zum Teil überwintern.

Zurück war's einfacher, weil wir einen Weg entdeckt hatten, der über eine lange Strecke am Strand entlang  führte.

Dienstag, 26. Dezember im IVAM

Das Instituto Vanlenciano de Arte Moderno liegt gegenüber dem Hotel auf der Altstadtseite des Turia. Dauerausstellungen über Pinazzo und Julio Gonzalez. Nettes Museumscafe mit Restaurantbetrieb am Mittag.

Mittwoch, 27 Dezember Infiltrados im Cine-Lys

Das Cine-Lys ist ein vierstöckiges Kino in der Nähe der Estacíon RENFE. Dort haben wir Infiltrados (The Departed) von Martin Scorsese gesehen. Zwei Polizisten in Boston. Der eine, Leonardo DiCaprio wird nach Beendigung der Polizeischule in die Gang von Jack Nicholson eingeschleust. Obwohl er ausgezeichnete Informationen liefert ist  Nicholson der Polizei immer einen Schritt voraus. Auch er hat einen Spitzel platziert, Matt Damon, den aufstrebenden Star der Bostoner Polizei. Die Geschichte entwickelt sich jetzt, wie man es sich vorstellt. bis auf den Schluss, an dem die ganzen Besetzungsliste einer nach dem anderen dran glauben muss. Trotz der vielen blutigen und gewalttätigen Szenen ein packender Film mit überzeugenden Akteuren.

Donnerstag, 28 Dezember The Holiday im UGC

Abends The Holiday (Vacacciones) mit Kate Winslett, Cameron Diaz und Jude Law, den wir schon in Cold Mountain 2004 in San Sebastian gesehen hatten, ohne dass er in bleibender Erinnerung geblieben wäre. Die Story ist schnell erzählt. Beide Frauen sind von den Männern frustriert und tauschen über's Internet ihre Wohnungen. Dort lernen sie jeweils den Mann ihres Lebens kennen. Obwohl die Story flach klingt und auch ist, ein netter Film für die ganze Familie.

Freitag, 29. Dezember Babel im Cin-Lys

Eigentlich könnte man meinen, wie seien nach Valencia gefahren der Filme wegen. Das ist nicht so, aber dennoch wieder einmal ins Kino. Diesmal Babel von Alejandro González Inárritu. Der Film ist lange angekündigt, oft vorbesprochen und enttäuscht nicht. Drei Handlungsstränge kreuzen sich. Die Frau eines amerikanischen Ehepaars (Kate Blanchett und Brad Pitt) )wird auf einer Marokko-Reise angeschossen. Geschossen hat ein marokkanischer Junge, der seinem Bruder beweisen will, dass er gut zielen kann. Während die beiden Amerikaner in einem Dorf am Ende der Welt auf Rettung hoffen, hat die mexikanische Kinderfrau zu Hause in Kalifornien das Problem, das ihr Sohn Hochzeit in Mexico feiert und sie nicht weiss, wohin mit den beiden Kindern des Ehepaars. Kurz entschlossen nimmt sie sie mit nach Mexico. Daraus entwickelt sich die zweite Katastrophe. Der dritte Handlungsstrang schliesslich spielt in Tokyo und ist lose mit den anderen dadurch verknüpft, dass das Gewehr, aus dem die Kugel auf Kate Blanchett abgefeuert wurde, auf einen japanischen Geschäftsmann registriert ist. Der wiederum hat seine Probleme mit seiner taubstummen Tochter, die unter ihrer Situation und dem Tod ihrer Mutter leidet. Ein sehr intensiver Film, der verschiedene Lebenswelten nebeneinander stellt und ihre Gemeinsamkeiten zeigt.

Samstag, 30. Dezember In der Ciudad de las Artes y las Ciencias (CAC)

Die CAC ist ein Projekt, das 1996 mit dem Bau verschiedener Gebäude im Turia Park begann und 2006 mit der Errichtung des Palacio de las Artes Reina Sofia seinen vorläufigen Abschluss fand. Valencia stellte Santiago Calatrava und Felix Candela praktisch ein Gelände zur Verfügung, auf dem diese ihre architektonischen Vorstellungen verwirklichen konnten. Dahinter steht das Konzept, Valencia über Architektur zu einem touristischen Anziehungspunkt erster Güte zu gestalten. Dazu gehören auch andere Gebäude wie etwa der Palacio de los Congresos, von Norman Foster entworfen. Man merkt diesem und anderen Projekten deutlich den Ehrgeiz von Valencia an, im Konzert der Grossen, Madrid und Barcelona, mitzuspielen.

Die CAC besteht gegenwärtig aus dem Palacio des las Artes Reina und Sofia, der neuen Oper von Valencia, Weiterhin dem Museo de las Ciencias Principe Felipe, einem Museum, das sich der Darstellung verschiedener Wissenschaften widmet. Ausserdem dem L'Oceanografic, einem Meeresmuseum und dem L'Hemisferic, einem Weltall-Museum. Insgesamt kann man sicher mehrere Tage in der CAC verbringen, ohne dass man sagen könnte, man habe alles gesehen.

Museo de las Ciencias Principe Felipe

Wir haben einen Tag in diesem Museum verbracht. Auf drei Stockwerken gibt es jede Menge zu betrachten und auszuprobieren. Vor allem der dritte Stock mit einer ausführlichen Darstellung der 23 Chromosomen des Menschen und ihrer Bedeutung haben es uns angetan.

Sicher ein Thema, mit dem man sich weiterbeschäftigen sollte. Wahrscheinlich ist dies die Grundlage für die bedeutendsten Entwicklungen der nächsten Jahre und Jahrzehnte. Mehr darüber erfährt man auf der Seite des Howard Hughes Medicine Institute oder hier.

Samstag, 31. Dezember Silvester in Spanien

Bereits mehrere Male haben wir den Jahreswechsel in Spanien verbracht. Diesmal bei einem Menu in einem Restaurant in der Nähe des Hotels. Man trifft so gegen 22 Uhr ein und beginnt mit dem Essen, das bis Mitternacht dauert. Kurz vor zwölf dann im Fernsehen, dann die Glocken einer Kirche von Madrid und ganz Spanien isst zum Schlag der Glocken 12 Trauben und denkt dabei an gute Vorsätze. Das grosse Ereignis selbst begeht man relativ reserviert. Man wünscht sich Feliz Nuevo Ano und geht dann zur Tagesordnung über. In unserem Restaurant wurden übrigens vorher Tüten mit allerlei Fastnachtsequipment ausgeteilt, Tröten, ein lustiger Hut, Fastnachtschlangen und so weiter. Das setzt man dann auf und trötet ein wenig in der Gegend herum. Das einzige Feuerwerk kam übrigens aus dem Fernsehen, die Valencianer selbst veranstalten erst am Neujahrstag, bei hellem Licht ihr höllisch lautes Feuerwerk.

 

Sonntag, 1. Januar, Essen am Strand von Saler

Der Strand von Saler ist mit dem Fahrrad in etwa 1,5 Std. bequem zu erreichen. der Weg ist der gleiche wie zum Albufera. Kurz vor Saler biegt man zum Strand ab und kann dort an einer Promenade entlang radeln, bis man das Restaurant seiner Wahl gefunden hat. Das neue Jahr begrüsst uns mit phantastischem Wetter und einer klasse Paella Vegetal. Hier der Rückweg für Google Earth.

Montag, 2. Januar, Museo Historico de Valencia (MHV)

Das MHV liegt im Stadtteil Mislata, ganz am Anfang des Turia Parks. Untergebracht ist es in einem ehemaligen Wasserspeicher. Die Ausstellung bezieht sich stark auf die direkte Stadtgeschichte, wir vermissen etwas die Rolle Valencias als Mittelmeermacht und auch die neuere Geschichte, etwa der Bürgerkrieg oder das Turia-Projekt sind sehr knapp gehalten. Aber insgesamt ein lohnender Besuch, auch weil das Museum viele didaktische Elemente hat.

Dienstag, 3. Januar, Museo Valencia de la Illustracion y de la Modernidad MUVIM

Ein sehr interessanter Bau, in dem bei unserem Besuch mehrere Fotoausstellungen zu sehen waren. Kurz vorher noch am Palacio Real einen Geocache gehoben.

Freitag, 5. Januar, Jardin de Botanico

Zum Abschluss ein Besuch des Botanischen Gartens.

Dann am Spätnachmittag der Rückflug nach Hahn, beim Ausstieg 5 Grad und Nieselregen.