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Barcelona November 2007

Mein persönlicher Verspätungsrekord beträgt 5 Stunden für einen 2 Stundenflug nach Barcelona, aufgestellt in den 90igern mit Hilfe von Iberia. Deswegen war ich gespannt wie sich Clickair, die Iberia Billigflugtochter anlässlich meines Trips vom 7. bis 11. November schlagen würde. Auf dem Hinflug schafften sie immerhin 50 Minuten Verspätung, ansonsten war nichts auszusetzen. Kosten ca. 100 € hin und zurück inklusive einem 20 € Zuschlag für den Sitz am Notausgang, den ich mir leistete. Die Maschine startet abends um 19 Uhr und wenn alles klappt, ist man zwischen 21 und 22 Uhr am Flughafen Prat. Da um diese Zeit der Verkehr auch nicht mehr so dramatisch ist, benötigt auch der Flughafenbus keine halbe Stunde bis zum Plaza Catalunya. Von dort in die Linie 3 der Metro nach Lesseps oder mit dem Taxi für etwa 8 € und schon ist man am Hotel Putxet, das ich auf der Clickair Seite mitgebucht hatte, weil alles sonst mir bekannte vergeben war. Das Wetter an diesem Wochenende um die 20 Grad und meist sonnig.

Hostal Putxet

Das Hostal Putxet liegt im Stadtteil Gracia, alles sehr einfach, das Zimmer hat mal 8 qm, wenn's hochkommt, also nichts für's Wellnesswochenende. Aber WLAN im Zimmer und ein frei zugänglicher Internet PC am Empfang. Für das Zimmer habe ich 280 € für fünf Übernachtungen bezahlt, das ist für gegenwärtige Hotelpreise in Barcelona günstig.

Gracia

Ich wollte mir schon immer mal Gracia genau anschauen, deswegen war die Lage für mich optimal. Für den gewöhnlichen Innenstadt Touristen dagegen liegt das Hotel nicht sehr verkehrsgünstig. Entweder man fährt mit der Linie 3 der Metro oder einem Bus bis zum Plaza Lesseps, oder mit einem der Busse, die Calle Balmes hinauf, bis sie die Ronda General Mitre kreuzt. Gracia war ursprünglich eine eigene Stadt und wurde Ende des 19.Jahrhunderts nach Barcelona eingemeindet. Heute grenzt es als einer der 10 Distrikte Barcelonas ans Eixample und ist noch erweitertes Zentrum. Nicht so mondän wie inzwischen El Born oder El Raval ist es dennoch ein angesagtes Szeneviertel,, das ich auch bei einem meiner letzten Besuche schon kurz beschrieben hatte.

Bar an der Ronda General Mitre Fahrradstation am Plaza Catalunya

2007-11-08 Orientierung

Morgens erst mal zum Frühstück in ein Cafe um die Ecke, dann mit dem Bus ins FNAC, um zu sehen, ob es die DVD Calle 54 von Fernando Trueba zu kaufen gibt. Das FNAC ist in der Beziehung ein Enttäuschung, nur noch Mainstream, das war früher anders, glaube ich mich zu erinnern. Auf dem Hinweg vorbei an den neuen Verkehrsmitteln in Barcelona, die von den Bewohnern offensichtlich angenommen werden, praktisch überall im Zentrum läuft man Gefahr, von einem der Benutzer umgefahren zu werden. Danach wieder zurück nach Gracia, den Paseo de Gracia und dann die Gran de Gracia entlang.

Barcelona Kapital im Casablanca Gracia

Mittags ins Kino, Barcelona Kapital, ein Dokumentarfilm über die Globalisierung. Im Mittelpunkt steht die Demonstration in Barcelona von 2002 gegen den EU Gipfel, bei der zwischen 300.000 und 500.000 Menschen auf der Strasse waren. Der Film ist in Catalan, glücklicherweise war es eine Demonstration mit vielen ausländischen Teilnehmern, sodass ich einige Statements im Originalton verstanden habe. Ansonsten blieb der Film ohne grosse Wirkung. Das Casablanca Gracia liegt in der Calle Girona am Rande von Gracia und ist ziemlich heruntergekommen. Die Filme übrigens finde ich in der El Pais, die alle Filme immer kurz beschreibt, oder im Web.

2007-11-09 Quer durch Gracia

Heute kreuz und quer durch Gracia und Umgebung. Zunächst die Calle Balmes hinauf bis zum Fuss des Tibidabo, dann mit dem Bus in die Gran de Gracia und die Travessera de Gracia entlang, die sich quer zur Gran de Gracia durch ganz Gracia zieht. An der Calle de l'Escorial in der Höhe der Metrostation Joanic abgebogen und anschliessend retour die Calle de Encarnacion, vorbei am Plaza de la Virreina und dem Plaza del Diamante, dem Schauplatz des gleichnamigen Romans von Mercé Rodoreda. Dazwischen immer wieder in Bars eingekehrt und das Leben betrachtet. So ein Weg führt an keiner Sehenswürdigkeit vorbei, aber ein Gefühl für Barcelona (oder Gracia?) bekommt man allemal.

Platz an der Calle Balmes in St.Gervasi Platz an der Metrostation Joanic Platz der Vizekönigin in Gracia Plaza del Diamante in Gracia Bar in Gracia An der Via Augusta in Gracia Bar am Plaza Virreina Calle del Principe d'Asturias in Gracia

El sueno de Casandra im Verdi

Seit 1969 macht Woody Allen Filme und bringt praktisch jedes Jahr ein Opus hervor. 2007 ist es Cassandra's Dream, den ich im Verdi in VOSE gesehen habe. Der dritte seiner Filme, die in London gedreht wurden, diesmal ohne Scarlett Johansson, aber mit dem gleichen Grundthema, Verbrechen, Schuld und Sühne. Zwei Brüder bringen auf Bitten ihres Onkels einen Geschäftspartner um und werden auf unterschiedliche Weise damit fertig. Sehenswert.

2007-11-10 Strand und Kino

Heute ein geruhsamer Tag. Nach dem Frühstück mit dem Bus Linie 17 die Balmes hinunter nach Barceloneta. Ein Zwischenstopp auf der Terrasse des Historischen Museums und dann den Strand entlang bis zum Icaria, einem meiner Lieblingskinos, weil es so gross ist, dass immer ein passender Film läuft. Dort zwei Filme angesehen und anschliessend durch El Born gebummelt. Wie immer Zwischenstopps in diversen Bars und die El Pais gelesen. Momentan eine interessante Serie über die Zustände der spanische Küsten und den Plan der Regierung, diese zu renaturisieren. Dann ist der Tag auch schon vorbei.

Hafenpromenade Vor dem Palau del Mar Blick vom Museum auf den Yachthafen Blick vom Museum auf die Stadt Blick von der Terrasse des Museum auf die Stadt Barcelona Strand Barcelona Strand Sta. Maria del Mar in El Born

El Pais La destruccion del litoral

Eine mehrteilge Serie in der El Pais über den Zustand der spanischen Küsten und die Pläne der Regierung, diese zu renaturisieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dazu sollen Hotels und illegale Bauten abgerissen und Häfen und Campingplätze geschlossen werden, weil sie zu dicht am Ufer liegen und den freien Zugang behindern. Wenn das wahr würde, dann sähe die Küste Spaniens zukünftig völlig anders aus. Klingt sehr spannend, passend dazu die Ankündigung der Balearen-Regierung, die Genehmigung zum Bau mehrerer Superhotels zu verweigern.

Leones por cordero im Icaria

Der erste meiner zwei heutigen Filme, beide im Icaria. Nach sieben Jahren führt Robert Redford wieder Regie und setzt sich mit der Situation in der heutigen USA und der Haltung, die der Einzelne dazu einnimmt, auseinander. Drei Handlungsstränge, Redford als Professor in der Auseinandersetzung mit seinen Studenten, von denen und das ist der zweite Strang sich zwei freiwillig zur Armee nach Afghanistan gemeldet haben. Dort werden sie Opfer der neuen Strategie, die von -dritter Strang- Tom Cruise als smarter Senator der Journalistin Merryl Streep verkündet wird. Besonders Tom Cruise ist in der Rolle beeindruckend.

La Zona

La Zona ist eine mexikanische Produktion unter der Regie von Rodrigo Plá und thematisiert die Spaltung der Gesellschaft vor allem in Lateinamerika in Arm und Reich in eindringlicher Weise. Die Reichen leben in einer Urbanizacíon 'La Zona' abgeschottet durch Mauern und Stacheldraht. Drei Räuber brechen ein und stören den Frieden. Der Film arbeitet stark mit Licht und Farben, um die unterschiedlichen Welten darzustellen. Gut auch, dass es kein Happyend und keine Versöhnung zwischen den beiden Welten im Film gibt, genau wie im richtigen Leben.

Eingangsschild zum Park Eingang zum Park

2007-11-11 Im Park

Nach dem Frühstück über die Balmes und die Calle Beltrán hinauf zum Jardin del Turó del Putget, gewissermassen der kleine Bruder des bekannteren Parc Guell. Wie dieser liegt er auf einem Hügel, sodass man immer wieder einen tollen Ausblick auf die untenliegende Innenstadt und auf den gegenüberliegenden Tibidabo hat. Der Park ist an diesem Sonntagmorgen gut besucht, leider auch viele Hundebesitzer, die ihren Lieblingen freien Auslauf lassen. Beim Heruntelaufen zum Plaza Lesseps wird wieder einmal klar, dass Barcelona zu grossen Teilen auf Hügeln liegt, das Niveau reicht von Meereshöhe am Hafen bis zu 500m auf dem Tibidabo. Die Hügel beginnen praktisch bereits an der Travessera de Gracia.

Spaziergänger im Park Spaziergänger im Park Blick auf die Stadt Blick auf den Tibidabo

Lateinamerika Gipfel in Santiago de Chile

In der El Pais lange Berichte über den Lateinamerika Gipfel, der dieses Wochenende in Santiago de Chile stattfindet. Neben den lateinamerikanischen Staatschefs nimmt auch Spanien teil. In unserer Wahrnehmung galt Lateinamerika lange als Hinterhof der USA, aber heute ist praktisch die gesamte Grundversorgung, Gas, Wasser, Elektrizität, Kommunikation, Banken in der Hand spanischer Konzerne. Hugo Chavez aus Venezuela bezeichnet das als neue Conquista. Von verschiedenen Seiten werden die spanischen Konzerne angegriffen, das Klima für Spanien ist anscheinend nicht besonders gut auf diesem Gipfel.

Besucherschlange vor dem Kino

Las 13 Rosas im Bosque

Was machen die Spanier am Sonntagnachmittag? Sie gehen ins Kino, y lo es que hago tambien und zwar in das Bosque in der Rambla del Prat in Gracia, in einen besonders beeindruckenden Film 'Las 13 Rosas'. Die Verfilmung der Geschichte der einer Widerstandsgruppe der JSU (Juventudes Socialistas Unificadas, Vereingte Sozialistische Jugend), die 1939 nach dem Sieg des Faschismus versucht, den Widerstand in Madrid zu organisieren. Sie scheitert schnell an der Unerfahrenheit ihre Mitglieder und 43 Männer und 13 Frauen werden verhaftet, gefoltert, verurteilt und am 5. August 1939 erschossen. Die Jugendlichen waren zum Teil 16 oder 17 Jahre alt. Die Geschichte kann einem wirklich mitnehmen. Eine der Darstellerinnen ist Marta Etura, die auch in Desierto Sur und in Remake auf der Filmwoche 2007 in Mannheim zu sehen war.